Lana Del Rey – was für ein
Klang! Der Glamour der 1950er und -60er Jahre, der junge Sean Connery - ein
richtiger Mann! Marilyn Monroe, Grace Kelly und Audrey Hepburn – Inbegriffe der
Weiblichkeit. All das evoziert Elizabeth Woolridge Grant allein mit ihrem
Künstlernamen und ihrem Look. Das brünette Haar in großer Föhnwelle wallend oder
mit Haarspray so hochtoupiert, dass man sie persönlich für das Ozonloch verantwortlich
machen wollte, hätte sie tatsächlich in den Jahrzehnten, auf die sie sich
bezieht, gelebt. Dazu das immer wieder von ihr genannte Partydress, der
Lipstick, das Mascara. So
erschuf sich Lana Del Rey selbst als Dressed-Up-Messed-Up-Wanna-Be-Dirty-Disney-Princess-Beauty-Queen.
Rauchige Schwermut in der verführerischen Stimme, weinende Violinen aus
dem All-American-Movie-Soundtrack, die sich an zeitgemäßen Beats brechen. Damit
verführte sie ihr Publikum auf ihrem ersten Album „Born to Die“ und der
folgenden EP „Paradise“. Ihre Fans verehren sie seither wie eine Göttin und das
Feuilleton huldigt ihr.
Mit ihren ersten beiden
Veröffentlichungen erweckte sie das wunderschöne, heile, gesunde, klassische
Bild, das sich Amerika in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhundets von
sich selbst gemacht hatte. Aber in dieses Bild fügte sie auch immer wieder die
Brüche und Hässlichkeiten, die Verlogenheit und krankhafte Rückwärtsgewandtheit
dieser Epoche ein. Sei es in ihren Texten, in denen sich das weibliche Ich dem
jungen wilden oder dem reichen alten Mann in die Arme wirft, sich nicht helfen
kann und doch mehr oder weniger deutlich erkennt, dass sie nur den Untergang
oder die Ausbeutung vor sich hat. Aber immerhin vor der Kulisse der malerisch
im Westen versinkenden Sonne. Oder auch in ihren Videos, wenn sie sich z.B. in National
Anthem als wiedererstandene Jackie Kennedy an ihren Gemahl und Präsidenten der
USA, einen klassischen Gangsta schmiegt. Hier verschmelzen gestrige und heutige
Rassenprobleme und die Glamour-Ästhetik von damals und die Hip-Hop-Ästhetik von
heute zu etwas verstörend und betörend Neuem.
Dass sie auf ihrem zweiten Album
„Ultraviolence“ diesen Weg nicht weiterverfolgt, sondern eine rauere und weniger
glatt eingängige Platte abgeliefert hat, ist ihr als Künstlerin hoch
anzurechnen. Doch was müssen die Fans vor Freude aufgejauchzt haben, als die
Göttin herself ankündigte, dass ihr drittes Album „Honeymoon“ musikalisch
wieder die Richtung von Born to Die/Paradise einschlagen würde. Und ja, die
Filmmusik-Violinen bekommen auf „Honeymoon“ wieder den ein oder anderen
Einsatz, der lautmalerische Witz ihrer Texte klingt auch hier und da an (High
by the Beach, Salvatore). Dennoch fehlt die explizite Frechheit eines Textes wie
„Cola“ oder die mitreißende Melancholie eines Songs wie „Summertime Sadness“.
Nicht ein einziger Song auf „Honeymoon“ ist schlecht. Jeder einzelne ist gut anzuhören, das Problem ist
vielmehr die Zusammenstellung der Stücke. Bis auf wenige Ausnahmen ist die
Musik sehr getragen, bewegt sich fast alles konstant auf einem Tempo und in einer
Dynamik.
So bleibt als Fazit zu
„Honeymoon“ nur ein traurig enttäuscht gehauchtes La la la: Lana leider langweilig.
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