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Sonntag, 18. Oktober 2015

Lana leider langweilig - Rezension zum Album Honeymoon von Lana Del Rey

Lana Del Rey – was für ein Klang! Der Glamour der 1950er und -60er Jahre, der junge Sean Connery - ein richtiger Mann! Marilyn Monroe, Grace Kelly und Audrey Hepburn – Inbegriffe der Weiblichkeit. All das evoziert Elizabeth Woolridge Grant allein mit ihrem Künstlernamen und ihrem Look. Das brünette Haar in großer Föhnwelle wallend oder mit Haarspray so hochtoupiert, dass man sie persönlich für das Ozonloch verantwortlich machen wollte, hätte sie tatsächlich in den Jahrzehnten, auf die sie sich bezieht, gelebt. Dazu das immer wieder von ihr genannte Partydress, der Lipstick, das Mascara. So erschuf sich Lana Del Rey selbst als Dressed-Up-Messed-Up-Wanna-Be-Dirty-Disney-Princess-Beauty-Queen. Rauchige Schwermut in der verführerischen Stimme, weinende Violinen aus dem All-American-Movie-Soundtrack, die sich an zeitgemäßen Beats brechen. Damit verführte sie ihr Publikum auf ihrem ersten Album „Born to Die“ und der folgenden EP „Paradise“. Ihre Fans verehren sie seither wie eine Göttin und das Feuilleton huldigt ihr.
Mit ihren ersten beiden Veröffentlichungen erweckte sie das wunderschöne, heile, gesunde, klassische Bild, das sich Amerika in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhundets von sich selbst gemacht hatte. Aber in dieses Bild fügte sie auch immer wieder die Brüche und Hässlichkeiten, die Verlogenheit und krankhafte Rückwärtsgewandtheit dieser Epoche ein. Sei es in ihren Texten, in denen sich das weibliche Ich dem jungen wilden oder dem reichen alten Mann in die Arme wirft, sich nicht helfen kann und doch mehr oder weniger deutlich erkennt, dass sie nur den Untergang oder die Ausbeutung vor sich hat. Aber immerhin vor der Kulisse der malerisch im Westen versinkenden Sonne. Oder auch in ihren Videos, wenn sie sich z.B. in National Anthem als wiedererstandene Jackie Kennedy an ihren Gemahl und Präsidenten der USA, einen klassischen Gangsta schmiegt. Hier verschmelzen gestrige und heutige Rassenprobleme und die Glamour-Ästhetik von damals und die Hip-Hop-Ästhetik von heute zu etwas verstörend und betörend Neuem.
Dass sie auf ihrem zweiten Album „Ultraviolence“ diesen Weg nicht weiterverfolgt, sondern eine rauere und weniger glatt eingängige Platte abgeliefert hat, ist ihr als Künstlerin hoch anzurechnen. Doch was müssen die Fans vor Freude aufgejauchzt haben, als die Göttin herself ankündigte, dass ihr drittes Album „Honeymoon“ musikalisch wieder die Richtung von Born to Die/Paradise einschlagen würde. Und ja, die Filmmusik-Violinen bekommen auf „Honeymoon“ wieder den ein oder anderen Einsatz, der lautmalerische Witz ihrer Texte klingt auch hier und da an (High by the Beach, Salvatore). Dennoch fehlt die explizite Frechheit eines Textes wie „Cola“ oder die mitreißende Melancholie eines Songs wie „Summertime Sadness“.
Nicht ein einziger Song auf „Honeymoon“ ist schlecht. Jeder einzelne ist gut anzuhören, das Problem ist vielmehr die Zusammenstellung der Stücke. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Musik sehr getragen, bewegt sich fast alles konstant auf einem Tempo und in einer Dynamik.
So bleibt als Fazit zu „Honeymoon“ nur ein traurig enttäuscht gehauchtes La la la: Lana leider langweilig.

Mittwoch, 30. September 2015

Jewel, Picking up the Pieces und Never Broken – Songs Are Only Half the Story

Picking up the Pieces
Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Jewel ist seit 1994 im Musikgeschäft. Ihr Debüt „Pieces of You“ war bei seinem Erscheinen im Jahr 1995 ein völlig aus der Zeit gefallenes leises und jugendliches Folk-Album. In der Spätphase des Grunge und der Zeit der aufkommenden Girl-Bands (Spice Girls u.a.) schien ein Album, das sparsam instrumentiert war und so die Stimme und die nachdenklichen und letztlich optimistischen Texte der Künstlerin in den Vordergrund stellte, unzeitgemäß. Vielleicht war es aber auch gerade dieses Unzeitgemäße, was „Pieces of You“ zu einem der erfolgreichsten Debütalben der Musikgeschichte werden ließ. Auf den folgenden Alben zeigte Jewel immer neue Facetten ihres musikalischen Schaffens. Vom Folk-Pop, der sich mit Country-Elementen anreicherte („Spirit“ und This Way“) zu tanzbarem Pop mit zeitkritischen Texten („0304“), zurück zu Folk-Pop/-Rock („Goodbye Alice in Wonderland“), hin zu reiner Country-Musik („Perfectly Clear“ und „Sweet and Wild“) beglückte sie ihre Fans immer neuen Überraschungen. Vielleicht wurden diese Volten von einigen Fans auch als Zumutungen empfunden. Die regelrechte Verehrung, die Jewel von vielen ihrer Fans entgegengebracht wird, beruht v.a. auf ihren ersten beiden Alben. Und so muss es eine große Freude für viele ihrer Anhänger gewesen sein, als Jewel in diesem Sommer ankündigte, dass ihr neues Album eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln bringen würde. Schon der Titel „Picking up the Pieces“ zeigt einen deutlichen Bezug zu ihrem Erstwerk. Das neue Album ist aber viel mehr als ein plattes „Pieces of You 2“. „Picking up the Pieces“ zeigt zumindest in Spuren alle Elemente ihres bisherigen musikalischen Schaffens. Den Rahmen bildet in der Tat wieder sparsam, aber effektiv instrumentierter Folk. Doch auch vor musikalischen Experimenten scheut Jewel nicht zurück. So überrascht „His Pleasure Is My Pain“ mit asiatisch anmutenden Klängen und „Nicotine Love“ mit Dreißigerjahre-Kabaret-Elementen. Kein Song fällt qualitativ ab oder strengt an, dennoch ist auch kein Song „cheesy“. Zwei Duette (mit Rodney Crowell auf „It Doesn’t Hurt Right Now“ und der nicht völlig unbekannten Dolly Parton auf „My Father’s Daughter“) runden dieses insgesamt hervorragende Album ab.


Never Broken – Songs Are Only Half the Story
Zu ihrer Autobiographie „Never Broken – Songs Are Only Half the Story” kann ich bisher nur Vorläufiges sagen, da ich das Bucher erst vor wenigen Tagen erhalten habe. Aber die ersten Leseeindrücke waren überaus positiv. In einem sehr angenehmen persönlichen Ton erzählt Jewel von ihrer Kindheit und Jugend und der Entwicklung ihrer Karriere und ihres Lebens als Erwachsene. Die junge Jewel Kilcher hatte zunächst keine vielversprechenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lebensweg. Aufgewachsen bei ihrem trinkenden und cholerischen Vater in einer Blockhütte in Alaska, die Eltern geschieden, war ihr nichts in die Wiege gelegt als ein großes Talent und die Musikalität, die in ihrer Familie Tradition hatte. Als Jewels erste beiden Alben erfolgreich wurden, übernahm ihre Mutter das Management, sodass sich die Künstlerin ganz auf ihre Musik konzentrieren konnte, im Vertrauen, dass ihre Mutter alles Geschäftliche zum Wohl ihrer Tochter regeln würde. Es entstand in den folgenden Jahren ein regelrechtes Jewel-Firmen-Imperium. Anfang der 2000er Jahre allerdings begann Jewel Fragen nach all dem Geld, das sie verdient haben musste, zu stellen. Wie sich herausstellte, waren die Firmen, die ihre Mutter in Jewels Namen gegründet hatte, schon mehrmals bankrottgegangen. Somit war im Jahr 2003 kein Vermögen mehr verfügbar war, sondern ein Schuldenberg abzubezahlen. Jewel war nach drei erfolgreichen Alben nicht viel weiter als zu Beginn ihrer Karriere. Immerhin hatte sie nun einen Namen in der Musikwelt, mit dem sich weitere Projekte auf die Beine stellen ließen.
Jewels Autobiographie liest sich auch schon beim Querlesen als ein Auf und Ab, ein Pendeln zwischen Erfolg und Niederlage im Geschäftlichen wie im Privaten. Soweit ist ihr Lebensweg letztlich nichts Außergewöhnliches, allerdings vermag diese Autobiographie den Leser zu fesseln, weil Jewel interessant erzählt, Songtexte und Gedichte in den Text einflicht, und stets einen hoffnungsvollen Ton anschlägt, der nahelegt, dass die Verfasserin tatsächlich nie gebrochen worden ist.

Das Album „Picking up the Pieces“ soll am 30. Oktober in Deuschland erscheinen. Die Autobiographie "Never Broken" ist seit dem 15. Oktober erhältlich. Beide Titel sind schon jetzt über die Website der Künstlerin verfügbar.

Donnerstag, 11. August 2011

Blind Guardian live in Wacken 2011

Unter dem folgenden Link könnt ihr euch einen sehr schönen Live-Mittschnitt des Blind Guardian Auftritts beim diesjährigen Wackenfestival ansehen.



Viel Spaß!

Samstag, 30. Juli 2011

Heather Nova live in Saarbrücken

Gestern gastierte die von den Bermudas stammende Singer-Songwriterin Heather Nova in der Saarbrücker Garage. Unterstützt von drei weiteren Musikern präsentierte sie Songs aus ihrem aktuellen Album "300 Days at Sea" und Highlights ihrer älteren Werke.
Ihren Durchbruch hatte Heather Nova 1994/95 mit der Veröffentlichung ihres zweiten Albums "Oyster" und der Single "Walk This World". Ihr aktuelles Album orientiert sich wieder sehr an ihren früheren Werken und das spiegelte sich auch in der Besetzung ihrer Live-Band wieder. Geoff Dugmore am Schlagzeug legte ein kraftvolles Rhythmus-Fundament. (Warum sein Drumkit hinter einer Plexiglaswand stand, hat sich mir nicht so ganz erschlossen, aber egal.) Arnulf Lindner schlug am Bass die Brücke vom Rhythmus zur Harmonie und setzte bei einigen Stücken am Cello sanftere Akzente. Im Zentrum stand natürlich Heather Nova selbst, die ihre Songs mit gefühlvoller und ausdrucksstarker Stimme zur Gitarre darbot. Das Highlight für mich jedoch war Berit Fridahl mit ihrem rauen und kraftvollen E-Gitarrenspiel. Sie würzte Novas Songs, vor allem die ohnehin schon rockigeren, mit einer gehörigen Portion Alternative-Rock-Rotz/-Noise, was teilweise sogar ein wenig an Nirvana (!) erinnerte.
Heather Nova eröffnete das Konzert mit "London Rain" und bot daraufhin einen sehr schönen Querschnitt durch ihr Repertoire. Für ruhige Moment sorgte ein kleines Akustik-Set in der Mitte des Konzerts, in dem Heather Nova zur Dreadnought-Gitarre griff und von Lindner am Cello begleitet wurde.
Der Song "Island" war einer Momente, der sicher bei so machem Konzertbesucher eine Gänsahaut auslöste. Ein erster Zugabenblock bestand aus "Winterblue", das nahtlos in "Walk This World" überführt wurde. Mit "Everything Changes" als letzter Zugabe endete ein Konzert, das die Reise von Ludwighafen nach Saarbrücken auf jeden Fall wert war.