Wer sind „die (US-)Amerikaner“?
Mal abgesehen von 1,1 Prozent indianischer, hawaiinischer und ozeanischer
Amerikaner haben alle anderen (also lediglich 98,9 Prozent der Bevölkerung)
einen Migrationshintergrund. Bei vielen mag dieser Migrationshintergrund schon etwa
vierhundert Jahre alt sein, andere sind vielleicht gerade eben erst
eingewandert, und wieder andere haben ihre meist europäischen oder osteuropäischen
Wurzeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinter sich gelassen. Und um
genau diese Gruppe und ihre Nachfahren geht es der amerikanischen Autorin und
Dozentin für kreatives Schreiben an der Stanford University Molly Antopol in
ihrem ersten Buch „Die Unamerikanischen“.
Entscheidende Anstöße für diese
Sammlung von acht Erzählungen habe sie aus den Geschichten ihrer eigenen
Familie erhalten. Über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren seien diese
Erzählungen entstanden und gereift, so gibt es die Autorin in Interviews zu
Protokoll.
Antopols Figuren versuchen in
ihrem Leben glücklich zu werden, so wie dies wohl alle Menschen versuchen.
Entscheidend für Antopols Figuren ist indes, dass sich dieses Leben stets
zwischen den „Welten“ Vereinigte Staaten, (Ost-)Europa und/oder Israel
abzuspielen scheint, mit all den Möglichkeiten im Guten wie im Schlechten, die
das mit sich bringen mag.
In einer klaren und angenehm
direkten Sprache lässt Molly Antopol ihre Leser an den Schicksalen ihrer
Figuren teilhaben. Dass man als selbst Schreibender von ihr, der Dozentin für
kreatives Schreiben beim Lesen noch einiges über das geschickte Komponieren von
Erzählungen lernen kann, ist eine durchaus angenehme Dreingabe.
Molly Antopol, Die
Unamerikanischen. München: Hanser Berlin, 2015.
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