Sonntag, 11. Oktober 2015

Molly Antopol, Die Unamerikanischen



Wer sind „die (US-)Amerikaner“? Mal abgesehen von 1,1 Prozent indianischer, hawaiinischer und ozeanischer Amerikaner haben alle anderen (also lediglich 98,9 Prozent der Bevölkerung) einen Migrationshintergrund. Bei vielen mag dieser Migrationshintergrund schon etwa vierhundert Jahre alt sein, andere sind vielleicht gerade eben erst eingewandert, und wieder andere haben ihre meist europäischen oder osteuropäischen Wurzeln in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinter sich gelassen. Und um genau diese Gruppe und ihre Nachfahren geht es der amerikanischen Autorin und Dozentin für kreatives Schreiben an der Stanford University Molly Antopol in ihrem ersten Buch „Die Unamerikanischen“.
Entscheidende Anstöße für diese Sammlung von acht Erzählungen habe sie aus den Geschichten ihrer eigenen Familie erhalten. Über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren seien diese Erzählungen entstanden und gereift, so gibt es die Autorin in Interviews zu Protokoll.
Antopols Figuren versuchen in ihrem Leben glücklich zu werden, so wie dies wohl alle Menschen versuchen. Entscheidend für Antopols Figuren ist indes, dass sich dieses Leben stets zwischen den „Welten“ Vereinigte Staaten, (Ost-)Europa und/oder Israel abzuspielen scheint, mit all den Möglichkeiten im Guten wie im Schlechten, die das mit sich bringen mag.
In einer klaren und angenehm direkten Sprache lässt Molly Antopol ihre Leser an den Schicksalen ihrer Figuren teilhaben. Dass man als selbst Schreibender von ihr, der Dozentin für kreatives Schreiben beim Lesen noch einiges über das geschickte Komponieren von Erzählungen lernen kann, ist eine durchaus angenehme Dreingabe.

Molly Antopol, Die Unamerikanischen. München: Hanser Berlin, 2015.

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