Picking up the Pieces
Die amerikanische Sängerin und Songschreiberin Jewel ist seit 1994 im Musikgeschäft. Ihr Debüt „Pieces of You“ war bei seinem Erscheinen im Jahr 1995 ein völlig aus der Zeit gefallenes leises und jugendliches Folk-Album. In der Spätphase des Grunge und der Zeit der aufkommenden Girl-Bands (Spice Girls u.a.) schien ein Album, das sparsam instrumentiert war und so die Stimme und die nachdenklichen und letztlich optimistischen Texte der Künstlerin in den Vordergrund stellte, unzeitgemäß. Vielleicht war es aber auch gerade dieses Unzeitgemäße, was „Pieces of You“ zu einem der erfolgreichsten Debütalben der Musikgeschichte werden ließ. Auf den folgenden Alben zeigte Jewel immer neue Facetten ihres musikalischen Schaffens. Vom Folk-Pop, der sich mit Country-Elementen anreicherte („Spirit“ und This Way“) zu tanzbarem Pop mit zeitkritischen Texten („0304“), zurück zu Folk-Pop/-Rock („Goodbye Alice in Wonderland“), hin zu reiner Country-Musik („Perfectly Clear“ und „Sweet and Wild“) beglückte sie ihre Fans immer neuen Überraschungen. Vielleicht wurden diese Volten von einigen Fans auch als Zumutungen empfunden. Die regelrechte Verehrung, die Jewel von vielen ihrer Fans entgegengebracht wird, beruht v.a. auf ihren ersten beiden Alben. Und so muss es eine große Freude für viele ihrer Anhänger gewesen sein, als Jewel in diesem Sommer ankündigte, dass ihr neues Album eine Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln bringen würde. Schon der Titel „Picking up the Pieces“ zeigt einen deutlichen Bezug zu ihrem Erstwerk. Das neue Album ist aber viel mehr als ein plattes „Pieces of You 2“. „Picking up the Pieces“ zeigt zumindest in Spuren alle Elemente ihres bisherigen musikalischen Schaffens. Den Rahmen bildet in der Tat wieder sparsam, aber effektiv instrumentierter Folk. Doch auch vor musikalischen Experimenten scheut Jewel nicht zurück. So überrascht „His Pleasure Is My Pain“ mit asiatisch anmutenden Klängen und „Nicotine Love“ mit Dreißigerjahre-Kabaret-Elementen. Kein Song fällt qualitativ ab oder strengt an, dennoch ist auch kein Song „cheesy“. Zwei Duette (mit Rodney Crowell auf „It Doesn’t Hurt Right Now“ und der nicht völlig unbekannten Dolly Parton auf „My Father’s Daughter“) runden dieses insgesamt hervorragende Album ab.
Never Broken – Songs Are Only Half the Story
Zu ihrer Autobiographie „Never Broken – Songs Are Only Half the Story” kann ich bisher nur Vorläufiges sagen, da ich das Bucher erst vor wenigen Tagen erhalten habe. Aber die ersten Leseeindrücke waren überaus positiv. In einem sehr angenehmen persönlichen Ton erzählt Jewel von ihrer Kindheit und Jugend und der Entwicklung ihrer Karriere und ihres Lebens als Erwachsene. Die junge Jewel Kilcher hatte zunächst keine vielversprechenden Voraussetzungen für einen erfolgreichen Lebensweg. Aufgewachsen bei ihrem trinkenden und cholerischen Vater in einer Blockhütte in Alaska, die Eltern geschieden, war ihr nichts in die Wiege gelegt als ein großes Talent und die Musikalität, die in ihrer Familie Tradition hatte. Als Jewels erste beiden Alben erfolgreich wurden, übernahm ihre Mutter das Management, sodass sich die Künstlerin ganz auf ihre Musik konzentrieren konnte, im Vertrauen, dass ihre Mutter alles Geschäftliche zum Wohl ihrer Tochter regeln würde. Es entstand in den folgenden Jahren ein regelrechtes Jewel-Firmen-Imperium. Anfang der 2000er Jahre allerdings begann Jewel Fragen nach all dem Geld, das sie verdient haben musste, zu stellen. Wie sich herausstellte, waren die Firmen, die ihre Mutter in Jewels Namen gegründet hatte, schon mehrmals bankrottgegangen. Somit war im Jahr 2003 kein Vermögen mehr verfügbar war, sondern ein Schuldenberg abzubezahlen. Jewel war nach drei erfolgreichen Alben nicht viel weiter als zu Beginn ihrer Karriere. Immerhin hatte sie nun einen Namen in der Musikwelt, mit dem sich weitere Projekte auf die Beine stellen ließen.
Jewels Autobiographie liest sich auch schon beim Querlesen als ein Auf und Ab, ein Pendeln zwischen Erfolg und Niederlage im Geschäftlichen wie im Privaten. Soweit ist ihr Lebensweg letztlich nichts Außergewöhnliches, allerdings vermag diese Autobiographie den Leser zu fesseln, weil Jewel interessant erzählt, Songtexte und Gedichte in den Text einflicht, und stets einen hoffnungsvollen Ton anschlägt, der nahelegt, dass die Verfasserin tatsächlich nie gebrochen worden ist.
Das Album „Picking up the Pieces“ soll am 30. Oktober in Deuschland erscheinen. Die Autobiographie "Never Broken" ist seit dem 15. Oktober erhältlich. Beide Titel sind schon jetzt über die Website der Künstlerin verfügbar.
Mittwoch, 30. September 2015
Sonntag, 23. August 2015
Buchempfehlung zu antiquarischen Büchern
Wer sich für antiquarische
Bücher und den Antiquariatsbuchhandel interessiert, dem empfehle ich die
Autobiographie von Leona Rostenberg und Madeleine Stern.
Es ist spannend, mit zu
verfolgen, wieviel detektivische Arbeit im Aufspüren und Erkennen alter
seltener Bücher stecken kann.
Ich habe das Buch im Rahmen
eines eigenen Schreibprojektes gelesen, verschlungen und durchgearbeitet.
Ach ja, die deutsche Ausgabe ist
aktuell vergriffen, aber natürlich antiquarisch erhältlich.
- Rostenberg, Leona; Stern, Madeleine: Zwei Freundinnen, eine Leidenschaft. Unser Leben für seltene Bücher. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2004.
Sonntag, 15. März 2015
New York City Teil 3
Mit meinem zweiten Tag in New
York habe ich schon so etwas wie eine morgendliche Routine etabliert: Frühstück
im Gramercy Cafe, in einem Kiosk am Union Square die New York Times kaufen,
zurück ins Hotel und mich fertig machen für einen neuen Tag in der Stadt. Das
bedeutete vor allem WARM ANZIEHEN. Der Dienstag war zwar nicht ganz so kalt wie
der Montag, aber immer noch weit davon entfernt lauschig zu sein.
In der Nacht zum Dienstag hatte
es geschneit und auf die Schicht des schmutzigen Schnees und Matsches (black
ice heißt zwar ‚Glatteis‘, aber in einer Stadt wie New York sind dieser verharschte
Schnee und das Eis tatsächlich schwarz!) hatte sich ein Überzug frischen, weißen
Schnees gelegt. Aber auch der würde bald dreckig aussehen.
Meine Route am Vormittag führte
mich vom Union Square über den Broadway zum Madison Square, dann weiter durch
Koreatown zum Empire State Building.
Was mich fasziniert hat, ist,
dass sich zwischen den großen und vor allem auf Zweckmäßigkeit ausgelegten Gebäuden
immer noch klassische Stadthäuser mit schönem Zierrat befinden, die wohl noch
aus dem 19. Jahrhundert stammen.
Man kennt das Empire State
Building von zahllosen Bildern und Filmen, und dennoch ist es ein
beeindruckendes Gebäude. Massiv wie ein Fels, aus der Umgebung herausragend wie
Monolith, gestaltet wie ein Kunstwerk der Moderne.
Nur ein Block vom Empire State
Building entfernt, am Herald Square befindet sich das berühmte Kaufhaus Macy’s.
Ein Tempel des Konsums – und doch eher enttäuschend. Ja, die verkaufen dort
auch exklusives Zeug, aber teilweise in einem Ambiente, das eher einem
Null-Acht-Fuffzehn-Kaufhaus hier im alten Europe entspricht. Da ist manche Filiale
von Galeria Kaufhof edler. Aber um das zu erkennen, ist Macy’s eben doch auch
ein Must-See.
Den Tag beschlossen habe ich im
Burrito Loco, einem mexikanischen Restaurant (166 West 4th Street) –
empfehlenswert.
Sonntag, 8. März 2015
New York City Teil 2
Mein erster Vormittag in
Manhattan war von dem Versuch geprägt, mich wieder zuhause zu melden. Der Akku
meines Smartphones war über Nacht wieder aufgeladen, aber der Touchscreen
funktionierte noch immer nicht. Erst mal frühstücken im Gramercy Cafe, Third
Avenue/West 17th Street.
Merke: Amerikanische Pancakes sind auch mit Butter und
Sirup eine verdammt trockene Angelegenheit, aber immerhin schmackhaft und vor
allem nahrhaft, wenngleich sicher nicht sonderlich gesund. Egal. So gestärkt
machte ich mich daran, mein Telekommunikationsproblem zu lösen. In einem
Elektronikladen an der Fifth Avenue, gegenüber der New York Public Library habe
ich mein Handy zur Begutachtung/Reparatur bringen wollen. In dem Laden waren
drei Männer, wohl in ihren fortgeschrittenen Fünfzigern. Einer der drei,
vermutlich der Ladenbesitzer, hielt es für wahrscheinlich, dass das Smartphone
die Kälte nicht verkraftet hätte. Ich solle das Gerät morgen wieder
vorbeibringen, da sei der Techniker da, der sich das Gerät ansehen und gegebenenfalls
reparieren konnte.
Ich hatte mich noch immer nicht
zuhause melden können. Die New York Public Library war an diesem Montag wegen
des Presidents‘ Day geschlossen. In einer Fedex-Filiale, wo man kurz einen
Rechner zum Email Schreiben hätte nutzen können, waren alle Rechner defekt. Der
Standort einer anderen Filiale wurde mir so ungenau genannt, dass ich nicht
finden konnte. Nächster Versuch: irgendein Internet-Cafe. Wenn man in Manhattan
jemanden fragt, wo man denn ein Internet-Cafe finde, hat man gute Chancen, die
nächste Starbucks-Filiale gennant zu bekommen, wo es freies WiFi gibt. Na danke
schön – das hilft mir wenig, wenn ich kein funktionierendes Endgerät habe. New
York schien nicht zu wollen, dass ich nach Europa telefoniere. (Ich wusste gar
nicht, dass New York in Nordkorea liegt.) Schlussendlich habe ich mir eine
Telefonkarte gekauft, mit der ich zu einem akzeptablen Preis von meinem
Hotelzimmer aus zuhause anrufen konnte. Somit war der erste Vormittag eher eine
Odyssee gewesen, als eine Sightseeingtour.
Diese begann mit dem Nachmittag:
Union Square (nicht nur passieren, um nach Midtown zu kommen, sondern um ihn
auch wirklich zu sehen), Washington Mews und Washington Square, Greenwich
Village.
Zu Mittag habe ich im Shu Han Ju, 465 6th Avenue, Ecke West 11th
Street gegessen. Rindfleisch mit Brokkoli, lecker, knackig, bezahlbar. Ich war
sehr zufrieden.
Allmählich konnte ich anfangen New York zu genießen. Nach dem Essen bin ich durch das Village
nördlich des Washington Squares gewandert, schließlich durch die Greenwich
Avenue, die den morbiden Charme des Zerfalls zeigt (vulgo: ziemlich
heruntergekommen ist) zur 7th Avenue und von dort in die West 13th Street, wo
im Haus 215 seit 1940 die Schriftstellerin Anaïs Nin gelebt hat. Für mich ein erstes ganz großes Highlight, da
ich schon seit gut zwanzig Jahren ein großer Verehrer dieser Schriftstellerin
bin, besonders wegen ihres Tagebuchs aus den Jahren 1939 bis 1944.
Fortsetzung folgt...
Montag, 2. März 2015
New York City Teil 1
Seit etwas mehr als einer Woche bin
ich scheinbar wieder zurück in der Pfalz, aber meine Gedanken sind zu einem
guten Teil noch immer in New York, wo ich die Faschingswoche verbracht habe.
Die Stadt hat mich eigentlich
schon immer fasziniert, und sie zu besuchen, war ein lang gehegter Wunsch. Ab
Sonntag, den 15. Februar hat er sich dann erfüllt. Morgens gegen 8 Uhr ging es
von Schifferstadt aus mit der S-Bahn los nach Mannheim, von wo aus ich mit dem ICE
zum Frankfurter Flughafen gefahren bin.
Abflugzeit war 13.45 Uhr. Es war
meine erste USA-Reise und auch meine erste Flugreise überhaupt, deshalb wollte
ich möglichst früh das Einchecken und die Kontrollen hinter mich bringen, was
auch alles problemlos vonstattenging. Während der Wartezeit hat sich stetig
eine angenehme Aufregung aufgebaut.
Der Start (und später auch die
Landung) war ein echtes Erlebnis für mich. Ich war überrascht, wieviel Kraft
und Dynamik man beim Start eines Passagierflugzeugs spürt. Ich war begeistert!
Im Wind hat das Flugzeug oft ein
klein wenig geruckelt, so als fahre man mit dem Auto über eine etwas holprige
Straße. Auch die Lautstärke des Fluggeräuschs hat mich überrascht. Die Beinfreiheit
in der Economy-Class ist knapp. Das habe sogar ich empfunden und ich bin nun
wirklich nicht großgewachsen.
Der Service an Bord war sehr
freundlich, das Essen und die Getränke völlig in Ordnung. Insgesamt verlief der
Flug erfreulich ereignislos. Ich hatte zuvor keine Flugangst, und der Flug hat
auch keine ausgelöst.
Nach der Landung am Flughafen
JFK in New York hieß es dann erstmal einreihen in die Warteschlange zu den
Kontrollen für die Einreise in die USA. Aber auch das ging recht zügig und
völlig problemlos. Ich konnte meine Liebsten zuhause anrufen und ihnen sagen,
dass ich gut angekommen war.
Nachdem ich durch die Kontrolle
war und meinen Koffer wieder hatte, bin ich mit dem NYC Airporter, einem
Shuttlebus nach Manhattan gefahren. Während der Fahrt konnte man schon die
berühmten Lichter der Stadt, die niemals schläft, sehen. Große Freude.
Gegenüber dem Bryant-Park in der 42. Straße bin ich ausgestiegen und mit meinem
Koffer die wenigen Schritte zur Grand Central Station gelaufen.
In der dortigen
U-Bahn-Station wollte ich mir ein Ticket für sieben Tage kaufen. Und von da an
hat mir die Stadt eine eher unerfreuliche Begrüßung beschert. Das Ticket sollte
31$ kosten. Ich schob also einen ersten Zwanziger in den Automaten, der mich
daraufhin zu nichts Weiterem mehr aufforderte und auch die 20$ nicht mehr rausrückte.
An einem anderen Automaten hatte ich dann mehr Glück. 31$ bezahlt, Ticket
erhalten, alles in Ordnung. Insgesamt hat mich also das Ticket 51$ gekostet.
Naja. Passiert. Mit der Subway gings zum Union Square und dann zu Fuß zum Hotel 17 in der 17. Straße. Einchecken, nochmal zuhause anrufen, dass ich jetzt wirklich
gut und sicher angekommen bin. Der Akku des Smartphones war mittlerweile leer.
Kein Problem, dann laden wir ihn eben auf. Während des Ladens habe ich wieder
versucht meinen Anruf zu tätigen, aber der Touchscreen reagierte nicht mehr.
Nun gut, dann warte ich eben bis morgen, wenn der Akku wieder ganz aufgeladen
ist. Nach knapp 24 Stunden auf den Beinen habe ich mich dann fürs Erste schlafen gelegt.
Dienstag, 27. Januar 2015
Literarisches Todesurteil auf dem Weg zur Arbeit
Heute Morgen, während meiner Autofahrt zur Arbeit habe ich beschlossen, dass Trevor Carlton in meiner Geschichte während des gerade aufziehenden Blizzards "Juno" in seiner Wohnung in New York sterben wird. Annie wird ihn auffinden. Zunächst war das nichts weiter als eine Episode. Warum er sterben muss, ist erst mir heute Abend (beim Wickeln meines Sohnes) klar geworden: Annie verliert ihren Mentor und väterlichen Freund, was die Krise, in der sie sich befindet, verstärkt.
So kommt eins zum anderen.
So kommt eins zum anderen.
Mittwoch, 27. November 2013
Ernest Hemingway, Der alte Mann und das Meer
In den vergangenen zwei Wochen habe ich Ernest Hemingways Erzählung "Der alte Mann und das Meer" gelesen. Ein alter Fischer hat seit 84 Tagen nichts mehr gefangen. Doch dann fängt er unter Mühen einen großen Schwertfisch. Es gelingt ihm, den Fisch längsseits seines Bootes zu vertäuen, und er will so mit seinem Fang in den Hafen zurückkehren. Unterwegs greifen Haie, angelockt von dem Blut des verletzten Fischs, an und fressen das Fleisch des Schwertfischs bis auf das Skelett. So kehrt der Alte schließlich in seinen Heimathafen zurück.
Eigentlich eine völlig simple Geschichte, aber je weiter sie voranschreitet, umso deutlicher wird ihre ganze Tiefe. Hemingway zeigt in "Der alte Mann und das Meer" nichts weniger als die Auseinandersetzung des Menschen mit dem Unabänderlichen. Dabei ist er keineswegs pessimistisch: Der alte Mann erlebt zwar eine Niederlage, aber er zerbricht nicht daran.
Zudem ist die Erzählung unwiderstehlich gut geschrieben. Nicht umsonst hat Hemingway dafür den Pulitzer-Preis und den Nobelpreis für Literatur erhalten.
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