Mein erster Vormittag in
Manhattan war von dem Versuch geprägt, mich wieder zuhause zu melden. Der Akku
meines Smartphones war über Nacht wieder aufgeladen, aber der Touchscreen
funktionierte noch immer nicht. Erst mal frühstücken im Gramercy Cafe, Third
Avenue/West 17th Street.
Merke: Amerikanische Pancakes sind auch mit Butter und
Sirup eine verdammt trockene Angelegenheit, aber immerhin schmackhaft und vor
allem nahrhaft, wenngleich sicher nicht sonderlich gesund. Egal. So gestärkt
machte ich mich daran, mein Telekommunikationsproblem zu lösen. In einem
Elektronikladen an der Fifth Avenue, gegenüber der New York Public Library habe
ich mein Handy zur Begutachtung/Reparatur bringen wollen. In dem Laden waren
drei Männer, wohl in ihren fortgeschrittenen Fünfzigern. Einer der drei,
vermutlich der Ladenbesitzer, hielt es für wahrscheinlich, dass das Smartphone
die Kälte nicht verkraftet hätte. Ich solle das Gerät morgen wieder
vorbeibringen, da sei der Techniker da, der sich das Gerät ansehen und gegebenenfalls
reparieren konnte.
Ich hatte mich noch immer nicht
zuhause melden können. Die New York Public Library war an diesem Montag wegen
des Presidents‘ Day geschlossen. In einer Fedex-Filiale, wo man kurz einen
Rechner zum Email Schreiben hätte nutzen können, waren alle Rechner defekt. Der
Standort einer anderen Filiale wurde mir so ungenau genannt, dass ich nicht
finden konnte. Nächster Versuch: irgendein Internet-Cafe. Wenn man in Manhattan
jemanden fragt, wo man denn ein Internet-Cafe finde, hat man gute Chancen, die
nächste Starbucks-Filiale gennant zu bekommen, wo es freies WiFi gibt. Na danke
schön – das hilft mir wenig, wenn ich kein funktionierendes Endgerät habe. New
York schien nicht zu wollen, dass ich nach Europa telefoniere. (Ich wusste gar
nicht, dass New York in Nordkorea liegt.) Schlussendlich habe ich mir eine
Telefonkarte gekauft, mit der ich zu einem akzeptablen Preis von meinem
Hotelzimmer aus zuhause anrufen konnte. Somit war der erste Vormittag eher eine
Odyssee gewesen, als eine Sightseeingtour.
Diese begann mit dem Nachmittag:
Union Square (nicht nur passieren, um nach Midtown zu kommen, sondern um ihn
auch wirklich zu sehen), Washington Mews und Washington Square, Greenwich
Village.
Zu Mittag habe ich im Shu Han Ju, 465 6th Avenue, Ecke West 11th
Street gegessen. Rindfleisch mit Brokkoli, lecker, knackig, bezahlbar. Ich war
sehr zufrieden.
Allmählich konnte ich anfangen New York zu genießen. Nach dem Essen bin ich durch das Village
nördlich des Washington Squares gewandert, schließlich durch die Greenwich
Avenue, die den morbiden Charme des Zerfalls zeigt (vulgo: ziemlich
heruntergekommen ist) zur 7th Avenue und von dort in die West 13th Street, wo
im Haus 215 seit 1940 die Schriftstellerin Anaïs Nin gelebt hat. Für mich ein erstes ganz großes Highlight, da
ich schon seit gut zwanzig Jahren ein großer Verehrer dieser Schriftstellerin
bin, besonders wegen ihres Tagebuchs aus den Jahren 1939 bis 1944.
Fortsetzung folgt...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen