Sonntag, 8. März 2015

New York City Teil 2


Mein erster Vormittag in Manhattan war von dem Versuch geprägt, mich wieder zuhause zu melden. Der Akku meines Smartphones war über Nacht wieder aufgeladen, aber der Touchscreen funktionierte noch immer nicht. Erst mal frühstücken im Gramercy Cafe, Third Avenue/West 17th Street.

Merke: Amerikanische Pancakes sind auch mit Butter und Sirup eine verdammt trockene Angelegenheit, aber immerhin schmackhaft und vor allem nahrhaft, wenngleich sicher nicht sonderlich gesund. Egal. So gestärkt machte ich mich daran, mein Telekommunikationsproblem zu lösen. In einem Elektronikladen an der Fifth Avenue, gegenüber der New York Public Library habe ich mein Handy zur Begutachtung/Reparatur bringen wollen. In dem Laden waren drei Männer, wohl in ihren fortgeschrittenen Fünfzigern. Einer der drei, vermutlich der Ladenbesitzer, hielt es für wahrscheinlich, dass das Smartphone die Kälte nicht verkraftet hätte. Ich solle das Gerät morgen wieder vorbeibringen, da sei der Techniker da, der sich das Gerät ansehen und gegebenenfalls reparieren konnte.
Ich hatte mich noch immer nicht zuhause melden können. Die New York Public Library war an diesem Montag wegen des Presidents‘ Day geschlossen. In einer Fedex-Filiale, wo man kurz einen Rechner zum Email Schreiben hätte nutzen können, waren alle Rechner defekt. Der Standort einer anderen Filiale wurde mir so ungenau genannt, dass ich nicht finden konnte. Nächster Versuch: irgendein Internet-Cafe. Wenn man in Manhattan jemanden fragt, wo man denn ein Internet-Cafe finde, hat man gute Chancen, die nächste Starbucks-Filiale gennant zu bekommen, wo es freies WiFi gibt. Na danke schön – das hilft mir wenig, wenn ich kein funktionierendes Endgerät habe. New York schien nicht zu wollen, dass ich nach Europa telefoniere. (Ich wusste gar nicht, dass New York in Nordkorea liegt.) Schlussendlich habe ich mir eine Telefonkarte gekauft, mit der ich zu einem akzeptablen Preis von meinem Hotelzimmer aus zuhause anrufen konnte. Somit war der erste Vormittag eher eine Odyssee gewesen, als eine Sightseeingtour.
Diese begann mit dem Nachmittag: Union Square (nicht nur passieren, um nach Midtown zu kommen, sondern um ihn auch wirklich zu sehen), Washington Mews und Washington Square, Greenwich Village.

Zu Mittag habe ich im Shu Han Ju, 465 6th Avenue, Ecke West 11th Street gegessen. Rindfleisch mit Brokkoli, lecker, knackig, bezahlbar. Ich war sehr zufrieden.

Allmählich konnte ich anfangen New York zu genießen. Nach dem Essen bin ich durch das Village nördlich des Washington Squares gewandert, schließlich durch die Greenwich Avenue, die den morbiden Charme des Zerfalls zeigt (vulgo: ziemlich heruntergekommen ist) zur 7th Avenue und von dort in die West 13th Street, wo im Haus 215 seit 1940 die Schriftstellerin Anaïs Nin gelebt hat. Für mich ein erstes ganz großes Highlight, da ich schon seit gut zwanzig Jahren ein großer Verehrer dieser Schriftstellerin bin, besonders wegen ihres Tagebuchs aus den Jahren 1939 bis 1944.

Fortsetzung folgt...

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